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1. Juli 2006 - Berlin
Nur vier von zehn Baugeldkunden fragen nach Vergleichsangeboten
Bauherren vergleichen
zwar intensiv die Baugeld-Konditionen, wenn sie vor dem Kauf
einer Immobilie stehen und dann ein Darlehen aufnehmen. Läuft
aber nach fünf, zehn oder 15 Jahren die erste Zinsbindungsfrist
aus, holen nur vier von zehn privaten Immobilienbesitzern für
die anstehende Anschlußfinanzierung ein Vergleichsangebot
ein, wie eine Umfrage von Infas TTR im Auftrag der Direktbank
Ing-Diba belegt.
Dieser vernachlässigte Preisvergleich kommt Deutschlands
Häuslebauer teuer zu stehen. Denn wer günstige Anbieter
links liegen läßt, zahlt deutlich drauf. In konkreten
Zahlen: Bis zu 17.788 Euro verschenkten Bauherren nach einer
Rechnung der Ing-Diba.
Angesichts dieser großen Einsparsumme fallen die Kosten
für einen Bankwechsel kaum ins Gewicht. Für die notarielle
Grundschuld-Abtretung (Umschreibung) aufs neue Geldhaus muß
der Bauherr im Schnitt 0,25 Prozent des zur Umschuldung anstehenden
Betrages an Gebühren zahlen - 275 Euro bei 110.000 Euro,
kalkuliert die Direktbank.
Die Ausgangslage: Seit Monaten liegt zwischen preiswerten und
teuren Hypo-Darlehen mit 15jähriger Zinsbindung eine Marktspanne
von rund einem Prozentpunkt, wie Vergleiche des Frankfurter
Finanzberaters Max Herbst belegen. Die durchschnittliche Höhe
der zur Anschlußfinanzierung anstehenden Restsumme beträgt
laut Infas TTR rund 110.000 Euro.
In der Praxis dürften die Einsparmöglichkeiten tendenziell
sogar noch etwas größer ausfallen als 17.000 Euro.
Denn Altkunden erhalten bei der Anschlußfinanzierung von
ihrer Hausbank hin und wieder sogar schlechtere Konditionen
als Neukunden. Und dies, obwohl das Geldhaus mit der Prolongation
ein wesentlich geringeres Risiko eingeht als mit dem Neugeschäft.
Aber der neu geworbene Kunde macht sich für die eigene
Beratungsbilanz besser, und deshalb wird er oft mehr umgarnt
als die viel sichereren, weil zehn Jahre lang als (Ab-)Zahler
erprobten Altkunden.
Daß sich der Wechsel zu einer günstigeren Bank allemal
rechnet, belegt auch die Zeitschrift "Finanztest"
in ihrer August-Ausgabe 2005 anhand 73 konkreter Fällen
aus den Jahren 2002 bis 2005. Danach waren mehr als die Hälfte
der Verlängerungsangebote der Hausbank teurer. Und jede
dritte Bank unterbreitete ein Angebot, das um mehr als 0,5 Prozentpunkte
über dem Durchschnittszinssatz für Hypothekenkredite
im Neugeschäft lag. Fazit der Tester: Die Angebote, die
sich Leser bei einigen Direktbanken einholten, "waren fast
durchweg günstiger und besser aufbereitet als das Verlängerungsangebot
der alten Bank."
Der Tip für kommenden Anschlußfinanzierer: Geldhäuser
informieren ihre Kunden erst relativ spät darüber,
daß demnächst das Hypothekendarlehen verlängert
werden muß und zu welchen Konditionen dies geschehen soll.
Folglich fehlt vielen Kunden oft einfach die Zeit, um einen
Preisvergleich vorzunehmen. Deshalb sollten Häuslebauer
und Eigentumswohnungsbesitzer schon jetzt in ihrem Darlehensvertrag
nachschauen, wann genau die aktuelle Zinsbindungsfrist endet
und die Anschlußfinanzierung ansteht. Zweiter Schritt:
Spätestens zwei Monate vor dem Termin sollte man mit dem
Vergleichen der Darlehenskonditionen anfangen, damit ein eventueller
Geldhaus-Wechsel nicht zu stressig wird. DW
Artikel erschienen in der Welt - Samstag, den 1. Juli 2006
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