Ruhrgebiet droht Abrisswelle


Düsseldorf, den 02. Dezember 2007

Ab 2013 werden im Ruhrgebiet mehr Wohnungen leerstehen als bisher gedacht. Das Land will NRW will nun den „Rückbau” fördern. Auf die Vermieter im Revier steigt der Druck, ihre Häuser zu modernisieren.

Alle Städte des Ruhrgebiets müssen spätestens ab 2013 mit Wohnungs-Leerständen in einem Ausmaß rechnen, das sämtliche bisherigen Prognosen übertrifft.

Konsequenz: „Im Ruhrgebiet wird mehr abgerissen werden müssen, um Bestände vom Markt zu nehmen”, kündigt Wohnungsmarktexperte Reiner Daams vom NRW-Bauministerium gegenüber der WAZ an. In Städten wie Gelsenkirchen (Tossehof), Dorsten (Wulfen), Marl (Goliath) oder Velbert (Nordpark) hat bereits der Kampf gegen Leerstände mit dem Bagger begonnen. Dort wird der Abriss von Hochhäusern vom Land mitfinanziert.

Geld vom Land für den "Rückbau"
Das Bauministerium bereitet sich nun aber auf eine Förderung des „Rückbaus” von Mehrfamilienhäusern in viel größerem Stil vor. Denn ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten zu „Veränderungen der Wohnungsnachfrage” bis 2025 in NRW (Eduard Pestel Institut) sieht das gesamte Ruhrgebiet beim „Geschosswohnungsmarkt” als „Überhangregion”.

Verantwortlich ist für die Entwicklung nicht allein der Bevölkerungsschwund, der einen dramatischen Rückgang der Haushalte zur Folge hat (Gelsenkirchen bis 2025: -17 000, Duisburg: -15 000, Essen: -13 500, Dortmund: -12 500, Bochum: -10.000, Mülheim: -6000, Oberhausen -4500). Ab 2013 wird der Markt voraussichtlich mit Ein- und Zweifamilienhäusern aus den 50er- bis 70er-Jahren überschwemmt, weil die Eigentümer sterben oder ins Altenheim umziehen. Zugleich geht die Zahl potenzieller Käufer im Alter zwischen 30 und 45 Jahren um ein Viertel bis ein Drittel zurück.

Noch immer lieber Neubau statt Gebrauchthaus

Trotz des Überangebots an „Gebrauchthäusern” zieht jedoch jeder Fünfte, der sich ein Eigenheim leisten kann, weiter in einen Neubau vor. Das drückt die Preise so weit nach unten, dass Menschen sich ältere Ein- oder Zweifamilienhäuser kaufen können, die sonst Mieter geblieben wären. Folge: Noch mehr Wohnungen stehen leer, Vermieter geraten unter noch stärkeren Wettbewerbsdruck. Wer nicht abreißt, muss seine Wohnungen attraktiver machen, vor allem verstärkt altengerecht (um-)bauen.

Quelle: WAZ vom 02.12.2007, Christoph Meinerz