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06. Dezember 2007
Privater Hauskauf in Deutschland
läuft meist über Makler ab. Doch in der Branche tummeln
sich viele Abzocker ohne Fachkenntnis, weil mit wenig Einsatz
viel verdient werden kann. Der Verband fordert deshalb eine
Mindestqualifikation für den Berufsstand.
Wir suchen für einen Dr. med. ein Haus mit großem
Garten und Doppelgarage" - wenn der Makler Andre Leers
solche Anzeigen von Kollegen liest, muss er schmunzeln. "Diese
angeblichen Interessenten gibt es überhaupt nicht",
weiß der Immobilienvermittler aus Groß-Umstadt und
spricht vom "Doktortrick": "Mit
solchen Anzeigen versuchen schwarze Schafe in unserer Branche,
an Aufträge zu gelangen", sagt Leers.
Der Trick ist simpel: Meldet sich ein Eigentümer, besichtigt
der Makler das Haus und erklärt dem Besitzer, dass das
Objekt zwar für den Arzt nicht infrage komme. Allerdings
bestünden gute Chancen, die Immobilie an andere Interessenten
zu veräußern. "Um den Vermittlungsauftrag zu
erhalten, akzeptiert dieser Makler zunächst die Preisforderung
der Besitzer - obwohl sie meist 15 bis 20 Prozent über
dem Marktwert der Immobilie liegt", sagte Leers. Unbedarfte
Erwerber, die bei diesen frisch an den Markt gekommenen Angeboten
gleich zuschlagen, zahlen deshalb einen weit überhöhten
Preis.
Die Unehrlichkeit der schwarzen Schafe kann auch Verkäufer
in Schwierigkeiten bringen. So habe ein Makler einem älteren
Ehepaar eine Eigentumswohnung für 400.000 Euro angeboten
und den Wert ihres bisherigen Eigenheims in einem kleinen Dorf
auf den gleichen Wert geschätzt. "Das Paar kaufte
daraufhin vor einem Jahr die Eigentumswohnung und gab dem Makler
den Vermittlungsauftrag für ihr Haus", so Leers. Das
Eigenheim ist noch heute am Markt, was zu einem Finanzierungsengpass
führte - obwohl das Paar den Preis inzwischen auf 320.000
Euro gesenkt hat.
Dass derartige Dinge geschehen, liegt auch daran, dass der Maklerberuf
in Deutschland nicht geschützt ist. Somit besteht immer
die Gefahr, dass anderweitig beruflich Gescheiterte hier das
schnelle Geld machen wollen. Die Standesorganisation Immobilienverband
Deutschland (IVD) fordert deshalb seit Langem eine staatliche
Regelung, wie sie etwa in den USA existiert. Dort darf sich
nur als Makler selbstständig machen, wer Sach- und Fachkundeprüfungen
abgelegt und mindestens zwei Jahre lang bei einem niedergelassenen
Vermittler gearbeitet hat. "Die Politik in Deutschland
will jedoch von einer Regulierung nichts wissen", sagte
IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick. Das verwundert,
denn in weiten Teilen Deutschlands wird die auf dem Verkaufspreis
basierende Vermittlungscourtage allein vom Erwerber gezahlt,
dessen Interesse ein niedriger Preis ist.
Quelle: Financial Times Deutschland vom 06.12.2007
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