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18. Juli 2006 - Mainz
Kaufen und Bauen - Geschickte Planung macht Verteuerung
wett
Bauherren macht die anstehende
Mehrwertsteuererhöhung jetzt schon zu schaffen. Bei großen
Investitionen wie beim Immobilienkauf oder Hausbau wird die
Verteuerung besonders spürbar sein: Wer sich im kommenden
Jahr ein Objekt für 200.000 Euro anschafft, muß 6.000
Euro mehr auf den Tisch blättern, eine erhöhte Notar-
oder Maklerrechnung kommt noch dazu. Wer noch in diesem Jahr
zuschlägt und einzieht, kann solche Mehrkosten vermeiden.
Kein Wunder, daß interessierte Käufer von Neubauwohnungen
und Häuslebauer in den kommenden Monaten reichlich unter
Druck stehen. Befeuert wird das Ganze noch von der Baubranche
selbst. Am Markt hat sich bereits eine Art Schlußverkaufsstimmung
breit gemacht. "Sputen" und "beeilen" solle
sich, wer kann, werben Makler wie Bauträger in Verkaufsanzeigen.
Der Bundesverband Deutscher Fertigbau riet schon vor Wochen
zu "schnellem Bauen" bis zum Jahresende.
Christian Michaelis, Bauexperte der Verbraucherzentrale
Baden-Württemberg, hält allerdings wenig davon, die
Furcht vor Mehrkosten als Verkaufsargument zu nutzen. "Wer
jetzt überstürzt handelt, macht schnell einen Fehler,
der noch teurer kommen kann als die drei Prozent mehr Steuer",
mahnt er zur Besonnenheit. "Niemals stichtagsbezogen Immobilien
kaufen, bloß nicht drängen lassen", betont auch
Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands
Deutschland. Das gelte auch für Bestandsimmobilien. In
diesen Fällen verteuere die Steueranhebung ab 2007 die
notwendigen Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten.
Wer bereits fest entschlossen ist, eine ganz
bestimmte Immobilie zu erwerben, der sollte aus Ersparnisgründen
bis zum 31. Dezember alles perfekt machen, lautet der Tipp Schicks.
Ganz wichtig: Um den alten, niedrigeren Steuersatz mitnehmen
zu können, muß das Objekt bereits bezugsfertig gebaut
sein. Nur wenn eine Lieferung oder Dienstleistung 2006 noch
ausgeführt wird, gilt die 16-Prozent-Regel. Das Datum des
Kaufvertrags oder der Rechnung spielen keine Rolle.
Problematisch kann es dagegen werden, wenn man sich jetzt auf
die Schnelle in das Neubauprojekt einer Baugesellschaft einkauft,
das erst im kommenden Jahr oder später fertig gestellt
wird. Oder wenn man ein Fertighaus in Auftrag gegeben hat, das
nicht rechtzeitig bis Silvester steht. Dann rutscht man in jedem
Fall in den höheren Mehrwertsteuersatz hinein, wie das
rheinland-pfälzische Finanzministerium warnt.
Das kann selbst dann passieren, wenn man in diesem Jahr bereits
Anzahlungen auf das Objekt geleistet hat. Denn der Unternehmer
muß die 2006 eingenommene Vorauszahlung für spätere
Leistungen zum neuen Steuersatz ab 2007 abrechnen - und die
Differenz von drei Prozentpunkten nachträglich noch entrichten.
Mögliche böse Überraschung für den Häuslebauer:
Je nach Vertrag darf die Baufirma die Mehrkosten an den Kunden
weiterreichen und ihm noch in Rechnung stellen. Eine Preiserhöhung
im Nachklapp kann allerdings nur dann verlangt werden, wenn
Kaufverträge in der Zeit vom 1. September bis 31. Dezember
2006 abgeschlossen wurden und entsprechende Klauseln enthalten.
Kunden sollten deshalb auf Formulierungen achten wie "Preis
zuzüglich gesetzlich geschuldeter Mehrwertsteuer",
wie Carmen Gahmig, Kaufrechtsexpertin der Verbraucherzentrale
Rheinland-Pfalz, erläutert.
Der Verband privater Bauherren rät ebenfalls zur Gelassenheit.
Die Verteuerung beim Hausbau könne meist durch eine geschickte
Planung wieder wettgemacht werden: Kleinere Grundstücke
suchen, einfache Fassaden ohne Schnörkel, Extras beim Innenausbau
und den Keller streichen, lauten die Empfehlungen. AP
Artikel erschienen in der Welt - Dienstag, den 18. Juli 2006
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