Eigentum - Statt Rendite nur Verluste


20. Juli 2006 - Berlin

Die Preise von Eigentumswohnungen und Eigenheimen sind seit 2003 um über zehn Prozent gefallen.


Viele Deutsche, die in jüngster Zeit ihr Häuschen verkaufen wollten, haben eine böse Überraschung erlebt: Seit Jahren sind die Preise von Eigentumswohnungen und Eigenheimen im Niedergang. Das bestätigt nun die jüngste Statistik des Internet-Hypothekenvermittlers Hypoport.

Das größte Minus mit 16,1 Prozent verzeichneten nach der Hypoport-Statistik in den vergangenen dreieinhalb Jahren Eigentumswohnungen. Ihre Preise fielen im Bundesschnitt seit Januar 2003 von 176.390 Euro auf nur noch 148.000 Euro. Eigenheime aus dem Bestand büßten im selben Zeitraum 11,1 Prozent an Wert ein. Der Durchschnittspreis sank von 226 156 Euro auf 201.000 Euro. Auch neue Eigenheime verbilligten sich: um 3889 Euro auf nur noch 226.000 Euro.

Allerdings verlief die Wertentwicklung nicht kontinuierlich. Vielmehr kommt es im Verlauf eines jeden Jahres zu deutlichen Ausschlägen nach oben und unten. So erholten sich die Preise von Bestandseigenheimen im Frühjahr 2005 nach einem Tief von 194 249 Euro auf 208.254 Euro, um im Mai wieder auf 198.870 Euro zu fallen. Im Februar dieses Jahres wurden diese Objekte im Schnitt wieder für 204.500 Euro gehandelt - und haben um seither erneut an Wert verloren.

Die Preise neuer Eigenheime stagnierten in den vergangenen Monaten. Hingegen konnten Eigentumswohnungen seit Februar um 2,8 Prozent zulegen. Hypoport-Marketingdirektor Allan Saunderson führt dies auch darauf zurück, daß "immer mehr ausländische Investoren auf den deutschen Wohnungsmarkt drängen". Dabei denkt Saunderson nicht nur an Aufkäufer von Wohnungsportfolios, sondern auch an ausländische Hypothekenbanken, die auch sogenannte 120-Prozent-Kredite vergeben. Ein Schritt, den deutsche Banken noch scheuen. Mit diesen Darlehen können Immobilienerwerber ohne jedes Eigenkapital auch sämtliche Nebenerwerbskosten - von der Maklercourtage bis zur Grunderwerbssteuer - finanzieren. Saunderson: "Diese Kredite helfen Wohnungsprivatisierern beim Verkauf ihrer Bestände an die eigenen Mieter."

Im Mai hat Hypoport erstmals Daten auf regionaler Ebene ausgewertet. Mit einigen überraschenden Ergebnissen: So mußten Eigentumswohnungen und Bestandseigenheime seit Anfang 2005 auch im Großraum Stuttgart Wertverluste hinnehmen, obwohl diese Region gegen den demographischen Trend Bevölkerungszuwächse verzeichnet. Im Großraum Berlin verzeichneten Eigenheime im Bestand - trotz Hauptstadtbonus - seit Januar 2005 Wertverluste von mehr als zehn Prozent. Damit war das Minus viermal so hoch wie im Bundesschnitt. Hingegen konnten Eigentumswohnungen in Berlin gegen den Trend leicht zulegen.

Die Hypoport-Statistik "basiert auf den Kaufpreisen der bis zu 6.000 Immobilientransaktionen, für die jeden Monat Hypothekendarlehen über unsere Internet-Plattform Europace abgeschlossen werden", sagt Saunderson. Das entspricht etwas mehr als zehn Prozent des gesamten Marktgeschehens. Nach Angaben des von privaten Bausparkassen gesponserten Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (ifs) wurden in 2004 bundesweit 214.700 Eigentumswohnungen und 215.500 neue und bestehende Einfamilienhäuser veräußert. Diese Zahlen basieren auf den Transaktionsdaten, die den regionalen Gutachterausschüssen gemeldet wurden.

"Von einem Wertverfall bei Eigenheimen kann indes keine Rede sein", meint ifs-Direktor Stefan Jokl. Kurzfristig hätten die Preise "allenfalls geringfügig nachgegeben". So verbilligten sich Eigenheime nach der ifs-Statistik im Bundesschnitt von 2003 auf 2004 um 1,3 Prozent auf 156.600 Euro. Die Preise von Eigentumswohnungen fielen im selben Zeitraum von 120.300 Euro auf 118.700 Euro. 1995 hatten Eigentumswohnungen jedoch im Schnitt noch 122.200 Euro gekostet. Die Preise von Einfamilienhäusern hingegen lagen damals mit durchschnittlich 153.900 Euro 1,7 Prozent niedriger als heute. Angesichts einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent haben jedoch auch deren damalige Erwerber seither Kaufkraftverluste hinnehmen müssen.

von Richard Haimann

Artikel erschienen in der Welt - Donnerstag, den 20. Juli 2006